Economic Summer Camp | Rückblick 2010

Economic Summer Camp 2010 – Erfahrungsbericht von Magdalena Weyher


Magdalena Weyher

Als mein Wirtschaftslehrer sich beiläufig erkundigte, ob irgendwer Interesse an einem Wirtschaftscamp des Vereins »Jugend entdeckt Marktwirtschaft« in den Sommerferien habe, meldeten sich einige Interessenten. Aber als er dann verlauten ließ, dass man für das Camp einen Aufsatz zum Thema »Was kann sich der Staat noch leisten« schreiben müsse, waren die Hände ganz schnell wieder unten. Ich dachte, dass ich es ja mal versuchen könnte, mehr als ablehnen können sie mich nicht.

Heute bin ich sehr froh darüber, dass ich mich von dieser Aufgabe nicht abschrecken ließ. Denn schon eine Woche, nachdem ich meine Bewerbung losgeschickt hatte, bekam ich eine Zusage. So verbrachte ich die Zeit bis zu den Sommerferien gespannt wartend, denn eigentlich konnte ich mir unter einem Economic Summer Camp nicht viel vorstellen. So blieb mir nur zu hoffen, dass es nicht langweilig werden würde.

Diese Befürchtung hat sich zum Glück nicht erfüllt, denn nachdem wir nach der Ankunft am Samstag bei Sport entspannten, war schon am Sonntagmorgen unsere Fantasie gefragt. Mit professioneller Unterstützung durch zwei Kameramänner, drehten wir kleine Filme zum Thema »Soziale Marktwirtschaft«. Dabei mussten wir uns um alle Aspekte des Filmes kümmern: um Requisiten, den Drehort und natürlich Ton und Bild. Die Ergebnisse waren recht unterschiedlich und reichten von einem schwermütigen Film über die Situation der Rentenzahler bis zu einem slapstickhaften Film über die Rolle des Staates. Die Gewinner bekamen sogar einen jem-Oscar und natürlich tosenden Beifall. Danach begann der Ernst des Lebens: Zuerst wurden wir von einem der jem-Mitbegründer, Bernd Peltzer, in die Grundlagen der Wirtschaft eingeführt und abends von den Betreuern, die uns die Woche lang begleiteten, in das Land der Albatrosse entführt.

Nach weiteren Grundlagen über den Zusammenhang von Arbeit und Kaufkraft, konnten wir am Montag das Gelernte in der Praxis überprüfen. Bei dem Besuch in der Börse Stuttgart mussten wir feststellen, dass es dort gar nicht so laut zugeht, wie man sich das immer vorstellt. Und bei der Deutschen Bank lernten wir viel über das Entstehen und die Bewältigung der Finanzkrise. Den Rest des Tages verbrachten wir gemütlich in Stuttgart und zeigten denjenigen Teilnehmern, die nicht aus Baden-Württemberg stammten, unsere Landeshauptstadt.

Am Dienstag waren wir zu Gast bei der Filmakademie Ludwigsburg, um uns zusammen mit einem Studenten und einem Vertreter der Stadtverwaltung von dem Nutzen und der Notwendigkeit von Strukturförderung zu überzeugen. Es war richtig interessant, hinter die Kulissen der Filmakademie zu sehen und die Führung war durch den lustigen Studenten sehr amüsant. Der Tag wurde mit einem Eis und einem Abstecher zum Ludwigsburger Schloss abgerundet.

Der Vortrag von Prof. Dr. Solveig Reißig-Thust über Unternehmenssteuerung war die Basis für eine Besichtigung bei dem Zünd- und Glühkerzenhersteller Beru. Dort wurden wir auch von einem Studenten, der ein duales Studium bei Beru absolviert, über die Vorteile dieser Ausbildungsform informiert. Am Abend erzählten uns ehemalige ESC-Teilnehmer über die Möglichkeit, bei dem Planspiel „Jugend gründet“ selbst unternehmerisch tätig zu werden. Das ist besonders reizvoll, weil mit einem der vorderen Plätze tolle Preise verbunden sind. Die letztjährige Gruppe wurde Finalsieger und darf ins Silicon Valley fliegen.

Besonders interessant fand ich den Besuch des Existenzgründerzentrums in Heilbronn am Donnerstag, welches Start-up-Unternehmen eine Plattform bietet und gerade in der Startphase mit Rat und Tat zur Seite steht. Auf der Busfahrt zurück nach Sachsenheim, wo das Camp in einem evangelischen Mädcheninternat stattfand, verteilten die Betreuer die Aufgaben für das Abschluss-Dinner am Freitag. Nur diejenigen wurden verschont, die vorher jeweils einen kurzen Bericht über die einzelnen Programmpunkte verfasst hatten. Da ich mich davor bisher erfolgreich gedrückt hatte, kam mir gemeinsam mit einem anderen Teilnehmer die ehrenvolle Aufgabe zu, die Moderation des Abends zu übernehmen.

Nach einem letzten Vortrag am Freitag bekamen wir endlich die Gelegenheit, beim Planspiel »Die Spielzeugfabrik« selbst unternehmerisch tätig zu werden. Man darf den Auftrag, 30 Lego-Katamarane in zwei Minuten zusammen zu basteln, nicht unterschätzen. Erst nach einer Umstrukturierung unserer Produktion zu Fließbandarbeit gelang es uns, aus den roten Zahlen zu kommen. Nach der Simulation machten sich alle für das anstehende Abschluss-Dinner fertig. Wir Teilnehmer halfen bei der Vorbereitung des Essen und der Tischdekoration. So waren alle schon sehr gespannt auf das Dinner. Nach einem Aperitif bekamen wir zuerst eine kleine Knigge-Einführung, die wir danach sofort anwenden konnten. So mussten sich besonders die Jungs bei dem leckeren Essen beherrschen und zuerst alle Damen mit Essen und Trinken versorgen, bevor sie selbst an der Reihe waren. Das Essen wurde unterbrochen von Präsentationen in Form von Gedichten und einem Theaterstück, mit denen wir die Woche resümierten und fiktive Investoren zum Engagement bei jem aufforderten. Das Feiern ging nach dem Abendessen mit einer kleinen Party im Internat weiter und so sah man beim letzen gemeinsamen Frühstück am Samstag einige müde Gesichter. Danach war es an der Zeit, sich zu verabschieden und alle waren sich einig: die Woche war viel zu schnell vorbei!

Das Summer Camp war eine gute Gelegenheit, sehr viel über das Thema Wirtschaft zu lernen und es blieb nicht nur bei der Wirtschaft. So weiß ich jetzt, die Dame sitzt immer rechts des Herren und Glühkerzen findet man im Dieselfahrzeug und Zündkerzen beim Benziner. Wir hatten die Möglichkeit, vielfältig Kontakte zu knüpfen. Besonders gut finde ich das Angebot von jem, uns auch nach dem Camp mit einem Coach, der einen bei der Studien- und Ausbildungswahl unterstützt, zu begleiten. Auch bin ich der Meinung, dass eine Teilnahme beim jem-Summer Camp viele Türen öffnen kann. Ich bin wirklich dankbar für diese Woche und bin mir sicher, dass ich auch in Zukunft den Kontakt zu Teilnehmer und zu jem halten werde.

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