Economic Summer Camp | Rückblick 2010

Economic Summer Camp 2010 - Erfahrungsbericht von Jens Keicher


Jens Keicher

„Das Economic Summer Camp (ESC) bietet ausgewählten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Wirtschaft hautnah zu erleben“. Mit diesem Satz wirbt der Verein „Jugend entdeckt Marktwirtschaft“ (JEM) für sein jährliches Economic Summer Camp, während dem Jugendliche die Gelegenheit haben, sich mit wirtschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen. 

Mit dementsprechend großen Erwartungen, die im Laufe des ESC allesamt bestätigt werden sollten, reiste ich nach einer erfolgreichen Bewerbung Ende Juli nach Sachsenheim, einem kleinen Ort in der Nähe von Ludwigsburg, wo das  Economic Summer Camp stattfand. Vor den anderen Teilnehmern und mir lag eine abwechslungsreiche Woche, in der wir einen Einblick sowohl in betriebswirtschaftliche als auch in wirtschaftspolitische Bereiche bekommen sollten.

Den Auftakt bildete ein Kurzfilmwettbewerb mit dem Thema „Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit der sozialen Marktwirtschaft“, der neben Kreativität auch Planungsgeschick erforderte, um innerhalb der vereinbarten Zeit einen soliden Film drehen zu können. Trotz des Zeitdrucks entstanden drei unterhaltsame Kurzfilme, die Probleme wie das soziale Ungleichgewicht durch den demografischen Wandel oder die ALGII-/ Hartz IV-Regelungen aufgriffen.

Das ESC zeichnet sich durch eine sehr ausgewogene Mischung von Theorie und Praxis aus. Während morgens interessante Vorträge von hochkompetenten Referenten aus Forschung und Wirtschaft gehalten wurden, waren nachmittags meist Exkursionen und Betriebsbesichtigungen angesetzt, die in engem Bezug zum theoretischen Teil standen. Durch diese enge Verknüpfung von Vorträgen und Exkursionen wurden die Themen in einem hohen Grad veranschaulicht, was zum besseren Verständnis der Lerninhalte beitrug.

So wurde beispielsweise ein Vortrag zum Thema „Wie  schafft man Arbeit, Kaufkraft und einen stabilen Euro?“ durch eine Besichtigung der Börse Stuttgart und der Deutschen Bank AG ergänzt. Passend zur Präsentation am Vormittag hatten wir Teilnehmer in der Börse die Gelegenheit, ausführlich z.B. über die Auswirkungen und den Sinn von staatlichen Finanzmarktregulierungen oder das Risikopotenzial von Derivaten und Optionsscheinen zu diskutieren. Insbesondere durch die persönlichen Wertungen des Referenten bezüglich des Kapitalmarktes und einige politische Maßnahmen wurde uns ein differenzierter Einblick in den Börsenhandel ermöglicht, während bei der Deutschen Bank mit Hilfe eines informativen Vortrags über die Zukunft des deutschen und europäischen Bankensektors nach der Finanzkrise gesprochen wurde.

Bei einem weiteren Vortrag besprachen wir den Umgang des Staates mit den Steuereinnahmen, was in einer lebhaften Diskussion über den Sinn oder Unsinn einiger fiskalpolitischer Maßnahmen und Alternativen wie den Bürgerhaushalt (Mitbestimmung der Bürger bei bestimmten Entscheidungen, die den Haushalt betreffen) endete.
Im Anschluss besichtigten wir die Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg als Beispiel für gezielte kommunale und staatliche Förderung von Bildungseinrichtungen mit Steuergeldern. Im Rahmen dieses Besuches kam der Leiter der Ludwigsburger Wirtschaftsförderung zu uns. Wir führten ein aufschlussreiches Gespräch über die Möglichkeiten und Grenzen der staatlichen Wirtschaftsförderung, wodurch uns eine völlig neue Sichtweise auf den Staat als Akteur im Wirtschaftsgefüge eröffnet wurde.

Nachdem wir uns in den ersten Tagen des Economic Summer Camps hauptsächlich mit volkswirtschaftlichen bzw. wirtschaftspolitischen Fragestellungen auseinandergesetzt hatten, begann danach der betriebswirtschaftliche Teil des ESC.
In einer höchst informativen Präsentation über Unternehmenssteuerung lernten wir zunächst neben verschiedenen Formen der Marktanalyse wie z.B. das „Five Forces Model“ nach Michael Porter auch den Aufbau eines Businessplans und Varianten zur Strategieimplementierung kennen. Anhand von Beispielen aus der Wirtschaft diskutierten wir, welche Unternehmen mit welchen Strategien derzeit am Markt erfolgreich agieren.
Darüber hinaus betrachteten wir im Rahmen weiterer Vorträge die zu einer Unternehmensgründung erforderlichen Rahmenbedingungen und wurden über diverse Finanzierungs- und Unterstützungsmöglichkeiten informiert. Außerdem erarbeiteten wir anhand von Fallstudien Wege zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit.

Passend zu dem betriebswirtschaftlichen Theorieteil führten weitere Exkursionen zu BorgWarner BERU Systems, einem Automobilzulieferer, der vor ein paar Jahren von einem US-Investor übernommen wurde, und in die Innovationsfabrik Heilbronn, ein Existenzgründerzentrum, in dem wir ein anregendes Gespräch mit einem Unternehmensgründer über die Vor- und Nachteile der Selbstständigkeit führten.
Gegen Ende dieses Abschnittes des ESC stand ein sehr interessantes Planspiel auf dem Programm, dessen Ziel es war, innerhalb einer vorgegebenen Zeit eine bestimmte Menge eines Katamarans aus Lego herzustellen. Während die Vorgaben zu Beginn des Planspiels nicht zu erfüllen waren und das fiktive Unternehmen „Traumschiff AG“ in der Folge in die roten Zahlen rutschte, gelang es uns durch Verhandlungsgeschick mit dem „Kunden“ und verschiedener Prozessoptimierungen innerhalb der Fertigung letztendlich doch, einen Gewinn zu erzielen und den Kunden zufriedenzustellen. Im Zuge dieses Planspiels konnten wir viele Methoden der Unternehmenssteuerung und Strategieentwicklung, mit denen wir uns bereits theoretisch auseinandergesetzt hatten, selbst anwenden.

Neben den klassischen wirtschaftswissenschaftlichen Bereichen wandten wir uns auch neuen Trends wie der Corporate Social Responsibility zu. Dazu wurde uns eine Präsentation über Unternehmensethik vorgetragen, der eine hitzige Diskussion über den Grad der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen folgte. Hierbei debattierten wir über aktuelle Fälle wie die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko und damit verbunden über die Verantwortung von BP.
Außerhalb der Kurszeiten war ein attraktives Rahmenprogramm geboten. Abends fanden häufig Fußball- oder Volleyballspiele statt, bei denen sich fast jeder Teilnehmer des ESC engagiert beteiligte. Bei den darauffolgenden Spieleabenden wurde ebenfalls viel gelacht, was zu der sehr guten und lockeren Atmosphäre auf dem Campus beitrug.
Einer der Höhepunkte des Economic Summer Camps war sicherlich das Abschluss-Dinner mit Knigge-Kurs. Bei einem leckeren Abendessen wurden wir höchst unterhaltsam in die „Kunst des guten Benehmens“ eingeführt, damit bei zukünftigen Geschäftsessen nichts mehr schief gehen kann.

Wir danken dem Verein „Jugend entdeckt Marktwirtschaft“ für die erlebnisreichen und informativen Tage während des  Economic Summer Camps, bei dem wir Teilnehmer  die Gelegenheit hatten, unser Wissen über wirtschaftliche Zusammenhänge enorm zu erweitern. Darüber hinaus konnten einige von uns nach der Akademiewoche ihre Berufs- bzw. Studienwahl enger eingrenzen, was ein durchaus positiver Nebeneffekt des ESC war.

Jedem wirtschaftsbegeisterten Schüler ist eine Teilnahme am Economic Summer Camp deshalb nur zu empfehlen. Das ESC – eine lohnende Investition für die Zukunft!

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